Aktuell

 

Der Verein stellt sich vor

Die Posaunengeschichte Mitteldeutschlands - eine Erfolgsgeschichte

Im 19. Jahrhunderts war Mitteldeutschland eine Hochburg des Musikinstrumentenbaus - auch und vor allem auf dem Gebiet der Posaunenfertigung. Entscheidende Impulse für die bautechnische - aber auch für die künstlerische Entwicklung der Posaune gingen damals von dieser Region aus.

Wiege der modernen Posaune

Aufgrund des sich wandelnden Zeitgeschmacks der Romantik befand sich Anfang des 19. Jahrhunderts auch das Klangideal der Blechblasinstrumente im Umbruch: Statt eines leuchtenden, heroischen Klanges bevorzugte man nun einen größeren, zugleich weicheren und dunkleren, aber auch tragfähigeren Klang. Während in Süddeutschland, Österreich und Böhmen eng mensurierte Schallstücke und Rohrverläufe noch länger in Gebrauch blieben, war es der Leipziger Instrumentenmacher C. F. Sattler, der in den 1830er Jahren dem Geist der Zeit durch die Entwicklung einer weiter mensurierten Posaune mit ausladendem Schallbecher Rechnung trug. Von geringfügigen Abweichungen abgesehen, gehen alle heutigen deutschen, aber auch die „klassischen” amerikanischen Posaunen auf den Entwurf Sattlers zurück.

Er war es im Übrigen auch, der die so genannte Tenor-Bassposaune schuf, in dem er die damals noch junge Erfindung des Ventils in seine Instrumente einbaute - damit eine physikalisch bedingte Lücke im Tonvorrat der Posaune schloss und chromatisches Spielen bis in die Kontra-Oktave hinein ermöglichte. Entstanden ist ein Instrument, das fortan seinen Siegeszug um die Welt antrat.

Glanzvolles Erbe

Sein Werkstattnachfolger und Schwiegersohn Johann Christoph Penzel konnte nahtlos an Sattlers Erfolge anknüpfen, verfeinerte und optimierte die Posaunen und schuf damit ein Modell der so genannten "deutschen" Posaune, das seine Überzeugungskraft sogar auf andere Hersteller übertrug:
So führte die Erfurter Instrumentenfirma Ed. Kruspe lange Zeit Tenorposaunen "Modell Penzel" in ihrem Sortiment. Später wiederum beschritt Kruspe - bezogen auf die Mensur - einen ganz eigenständigen Weg durch das in Zusammenarbeit mit dem Solo-Posaunisten der Königl. Kapelle zu Berlin (Lindenoper), Prof. Paul Weschke, entwickelte gleichnamige Tenorposaunen- Modell.

Inspiration durch Technik

Hinter dieser Entwicklung auf handwerklichem Gebiet stand die musikalische Kunstausübung nicht zurück: am Leipziger Gewandhaus fanden sich die ersten namhaften Posaunensolisten. Komponisten schufen Konzerte für Posaune, arrangierten und komponierten ebenso für Posaunenensembles verschiedener Größe.

So stammt etwa das "klassische" Posaunenkonzert vom Leipziger Konzertmeister und Mendelssohn-Zeitgenossen Ferdinand David. Virtuosen wie Traugott Queisser und Friedrich Belcke, aber auch Verfasser von heute noch gebräuchlichen Schulwerken, wie der Leipziger Gewandhausposaunist und Posaunenprofessor Robert Müller begründeten durch ihr Wirken eine "deutsche" Posaunenschule, die präziser eine "mitteldeutsche" ist.
Von der Strahlkraft der Leipziger Hochburg profitierten bald auch andere "Posaunenzentren" wie Dresden, Erfurt oder Markneukirchen. Und selbst im fernen Paris sprach man von Leipzig als der Stadt, wo "fast kein Tanz gespielt werden kann, ohne dass eine Bassposaune herumspielt."

Ziele des Vereins

Diese Tradition und ihre Auswirkungen von den Anfängen bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein zu erforschen, zu kategorisieren und zugänglich zu machen, ist das Anliegen des Vereins für Mitteldeutsche Posaunengeschichte e.V., gegründet Ende 2007 in Halle an der Saale. Im Brennpunkt des Vereinsinteresses stehen dementsprechend Biografien von Musikern und Instrumentenbauern, originale Quellen, Manuskripte, Kompositionen sowie die Erfassung und Pflege des noch vorhandenen historischen Instrumentariums dieser für die Posaunengeschichte so bedeutsamen Region. Wobei das Augenmerk keinesfalls nur auf das 19. und 20. Jahrhundert gerichtet bleibt - auch das weite Feld barocker Originalwerke mehr oder weniger bekannter Meister gilt es zu beackern.

Zudem - ein Posaunengeschichtsverein, der sein Wirken auf eine vergleichsweise kleine Region fokussiert, dürfte in der sonst so reichen Vereinslandschaft einmalig sein...

Wer sind die Mitglieder des Vereins?

Zu den Vereinsmitgliedern gehören Berufsposaunisten, Instrumentenmacher, Musikwissenschaftler, Instrumentensammler und interessierte Laien. Den Vorstand bilden derzeit Rechtsanwalt Martin Majewski, ehemaliger Solo-Posaunist des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover, Prof. Rolf Handrow, Solo-Bassposaunist des Gewandhausorchesters Leipzig und der Schulmusiker Robert Brix. Von besonderem Vorteil für den fachlichen Diskurs innerhalb des Vereins ist, dass die einzelnen Experten die Materie aus der Perspektive ihrer jeweiligen Disziplin betrachten.
Geplant sind neben Veröffentlichungen und Symposien zur Posaunengeschichte u.a. Ausstellungen, Konzerte und Wettbewerbe, bei denen das historische Instrumentarium auch zum Klingen gebracht wird.

Wie können Sie die Vereinsarbeit unterstützen?

Alle Mitglieder vereint die Begeisterung für die Idee und die Zielstellung des Vereins. Wollte man eine Zugangsvoraussetzung für eine Mitgliedschaft aufstellen, so wäre dies die einzige.

Dankbar sind die Vereinsmitglieder für Hinweise auf historische Quellen, seien es Instrumente, Noten, Bilder oder Schicksale von Spielern oder Herstellern. Gerne nehmen wir auch eine Begutachtung Ihres historischen Materials vor.

Wenn Sie sich durch die Inhalte des Vereins angesprochen fühlen, zögern Sie nicht - machen Sie mit!

Vereinsdaten

Verein für Mitteldeutsche Posaunengeschichte e.V.
Sitz: Halle (Saale)
Vereinsregister Stendal, VR 1100
Vereinsanschrift: Gabelsbergerstr. 23, 06114 Halle
mail: martin.majewski@gmx.de
Vereinskonto: KTO:122210800, BLZ 80040000
(Commerzbank Halle)
Spenden sind steuerlich absetzbar.